Split-LP mit Ghost Of Wem: 'Cruel Surprises' auf Per Koro Records
Manchmal entstehen die interessantesten Dinge nicht aus einem großen Plan, sondern aus einem gemeinsamen Verständnis dafür, was Musik sein kann – schwer, ehrlich, ohne Kompromisse. Genau das ist die Grundlage für Cruel Surprises, die Split-LP, die wir 2014 gemeinsam mit Ghost Of Wem veröffentlicht haben.
Zwei Bands, eine Platte
Die Idee zu einer gemeinsamen Veröffentlichung lag nahe. Ghost Of Wem kommen aus dem Süden – Freiburg, Karlsruhe, Baden-Württemberg – aber musikalisch bewegen sie sich im selben Sumpf wie wir: Sludge, der wirklich nach etwas wiegt, Doom, der keine falsche Hoffnung verspricht. Beide Bands teilen die Überzeugung, dass langsame Musik keine träge Musik ist. Sie braucht Zeit, Druck und Absicht.
Eine Split ist keine Zusammenarbeit im engeren Sinne. Jede Band bringt ihren eigenen Teil mit. Aber die Entscheidung, diese zwei Seiten auf eine Platte zu pressen, ist trotzdem eine Aussage – über Gemeinschaft, über gegenseitigen Respekt, über das, was man zusammen nach außen trägt.
Per Koro Records & Meta Matter Records
Cruel Surprises erschien auf zwei Labels gleichzeitig: Per Koro Records und Meta Matter Records. Per Koro ist ein Name, der in der deutschen Underground-Szene für sich spricht – das Label aus dem Raum Münster steht seit Jahren für Musik, die keinen Mainstream-Kompromiss eingeht. Meta Matter Records war für uns das Heimlabel, das schon unsere Debüt-LP The Rise Of Golgatha begleitet hatte.
Die Zusammenarbeit beider Labels für eine Veröffentlichung ist kein Selbstläufer. Sie setzt voraus, dass beide Seiten an das Projekt glauben. Dass das bei Cruel Surprises funktioniert hat, sagt etwas über das, was die Platte darstellt.
Vinyl. Natürlich Vinyl.
Die Release-Show in der Bessunger Knabenschule
Veröffentlichungen brauchen einen Moment. Einen Raum, in dem die Platte zum ersten Mal wirklich existiert – nicht als Datei, nicht als Pressetext, sondern als Sound, der Wände bewegt.
Dieser Moment war die Release-Show in der Bessunger Knabenschule in Darmstadt. Der Ort ist für die Darmstädter Szene seit Jahren ein verlässlicher Anker – ein Kulturzentrum, das Raum für Musik lässt, die es woanders schwerer hat. Für uns war es naheliegend und richtig, Cruel Surprises genau dort zu feiern.
Ghost Of Wem kamen den Weg von Süden nach Hessen, und gemeinsam haben wir gespielt, was auf dem Vinyl steht. Laut. Lang. Wie es sein muss.
Was auf der Platte ist
Ohne zu viel zu erklären: Cruel Surprises ist kein leichtes Hören. Die Titel sind keine Einladung zur Entspannung. Der Name der Platte ist programmatisch – es gibt keine angenehmen Überraschungen hier, nur ehrliche.
Wer die Scheibe kennt, weiß das. Wer sie noch nicht gehört hat, sollte es nachholen.
Warum Splits funktionieren
Im Zeitalter der digitalen Verfügbarkeit von allem könnte man fragen, warum Split-Releases überhaupt noch Sinn machen. Die Antwort ist simpel: Weil sie Beziehungen sichtbar machen. Weil sie zeigen, wer mit wem in der gleichen Welt lebt.
Cruel Surprises ist ein Dokument – zwei Bands, ein Jahr, eine Platte. Mehr braucht es nicht.