Empfehlungen: 10 Doom- und Sludge-Metal-Bands, die du kennen solltest
Schwer, langsam, unerbittlich – das sind die drei Grundpfeiler des Doom und Sludge Metal. Wer einmal vom Sog dieser Musik erfasst wurde, findet selten mehr den Weg zurück zu schnelleren Gefilden. Diese Liste ist kein akademischer Überblick, sondern eine ehrliche Sammlung von Bands, die uns persönlich etwas bedeuten. Von den Urvätern des Genres bis zu Geheimtipps aus dem deutschsprachigen Underground.
Die Klassiker, die man kennen muss
Sleep
Keine Liste dieser Art beginnt ohne Sleep. Die Band aus San Jose hat mit Dopesmoker (ursprünglich als Jerusalem erschienen) ein Album aufgenommen, das die Grenzen des Möglichen neu definiert hat – ein einziger Track, über eine Stunde lang, hypnotisch und vernichtend zugleich. Holy Mountain ist der zugänglichere Einstieg, aber wer sich Dopesmoker zum ersten Mal in voller Länge reinzieht, versteht danach, worum es bei schwerem Metal wirklich geht. 2018 kehrten sie mit The Sciences zurück und bewiesen, dass sie nichts von ihrer Magie verloren haben.
Electric Wizard
Aus Dorset, England, kommen die vielleicht düstersten Vertreter des Doom Metal überhaupt. Electric Wizard bauen ihre Musik auf einem Foundation aus distortierten Riffs, Okkultismus und bewusster Rückwärtsgewandtheit. Dopethrone (2000) ist ihr Meisterwerk – ein Album, das sich anfühlt wie eine Beerdigung in Zeitlupe. Nichts für schwache Nerven, alles für ehrliche Seelen.
Cathedral
Lee Dorians Vision nach dem Ende von Napalm Death war eine Band, die das Tempo radikal drosselt. Cathedral aus Coventry waren in den frühen Neunzigern wegweisend für den europäischen Doom Metal und verbanden sabbathinspirierte Riffs mit psychedelischen Elementen und einer Portion schwarzen Humors. Ihr Debüt Forest of Equilibrium ist Pflichtprogramm.
International, aber weniger bekannt
Yob
Eugene, Oregon. YOB stehen für eine Form des Doom Metal, die spirituell aufgeladen ist ohne ins Esoterische abzugleiten. Mike Scheidt ist ein Gitarrist und Sänger, dem man jeden Ton abnimmt – da ist echte Überzeugung. Clearing the Path to Ascend (2014) ist ein Album, das mit jedem Hören neue Schichten preisgibt. Wer nach Doom sucht, der wirklich unter die Haut geht, ist hier richtig.
Thou
Aus Baton Rouge, Louisiana, und so produktiv wie kaum eine andere Band in der Szene. Thou mischen Sludge Metal mit Elementen aus dem Crust Punk, Black Metal und gelegentlich sogar Folk. Ihre Musik ist politisch, wütend und kompromisslos. Das Album Magus (2018) zeigt eine Band auf absolutem Höhepunkt. Besonders empfehlenswert ist auch die Kollaboration mit The Body – zwei der verstörendsten Bands im Underground, die zusammen das Beste aus beiden Welten herausholen.
Conan
Liverpool. Conan spielen sogenannten "Caveman Battle Doom" – ein Begriff, den sie selbst geprägt haben, und er trifft es perfekt. Keine Schnörkel, keine Kompromisse, nur tonnenschwere Riffs in Zeitlupe. Blood Eagle (2014) ist der ideale Einstieg. Wer Konzerte von Conan besucht hat, weiß, dass der Begriff "heavy" danach eine neue Bedeutung bekommt.
Die deutsche Szene
Ahab
Wer den deutschen Beitrag zum Doom Metal verstehen will, kommt an Ahab nicht vorbei. Die Band aus Konstanz hat sich dem Funeral Doom verschrieben – einer noch langsameren, noch schwermütigeren Unterart des Genres – und nutzt literarische Vorlagen als konzeptionelle Grundlage. The Call of the Wretched Sea (2006) ist Melville als Metal-Album. Schwergewichtig in jeder Hinsicht, und ein Beleg dafür, dass die deutsche Szene auf internationalem Niveau mitspielt.
The Ocean
Berlin. The Ocean sind schwer zu kategorisieren – Progressive Metal, Post-Metal, Sludge, alles davon und noch mehr. Konzeptuell arbeiten sie sich durch geologische und philosophische Themen, musikalisch durch komplexe Arrangements, die dennoch nie den Zugang zum Hörer verlieren. Pelagial (2013) wurde live komplett ohne Texte als Instrumentalalbum aufgeführt. Ein Projekt mit echtem künstlerischen Anspruch.
Mantar
Mantar sind ein Duo aus Hamburg und beweisen, dass zwei Leute genug sein können, um maximalen Lärm zu produzieren. Doom Metal mit Black-Metal-Einschlägen und einer rohen, ungehobelt-direkten Energie. Death By Burning (2014) machte die beiden schlagartig bekannt, und seitdem liefern sie verlässlich ab. Selten hat man das Gefühl, einer Band beim Wütendwerden zuzuhören – bei Mantar ist das anders.
Cowards
Aus Paris, nicht aus Deutschland – aber die Band passt trotzdem in diese Liste, weil sie vielen Fans des europäischen Underground noch unbekannt ist. Cowards spielen Sludge Metal mit chaotischen, fast jazzigen Ausreißern und einer Brutalität, die überrascht. Ihre Alben sind keine leichte Kost, aber wer bereit ist, sich darauf einzulassen, findet eine der konsequentesten Bands der neueren Szene.
Warum das alles zählt
Doom und Sludge Metal sind keine Genres für Konsumenten. Diese Musik verlangt Zeit, Aufmerksamkeit und ein gewisses Maß an Bereitschaft, sich auf Langsamkeit als ästhetisches Prinzip einzulassen. Wer das tut, wird mit einer Tiefe belohnt, die schnellere Spielarten des Metal selten erreichen.
Auf metal-archives.com lässt sich übrigens für alle genannten Bands die vollständige Diskographie nachschlagen – ein unverzichtbares Archiv für jeden, der tiefer in die Geschichte des Heavy Metal eintauchen will.
Diese Empfehlungen sind subjektiv und unvollständig – absichtlich. Jede dieser Bands hat uns zu einem bestimmten Zeitpunkt etwas bedeutet, und das ist mehr wert als eine vollständige Enzyklopädie. Wer eine dieser Bands noch nicht kennt: Jetzt ist ein guter Zeitpunkt.